Remis gegen Russland: Herumgedruxt

Die Szene des Spiels: Deutschland führte 21:20 gegen Russland und war nach einem russischen Tor im Ballbesitz. Paul Drux, Spieler der Füchse Berlin, ließ sich in der eigenen Halle auf die Rückraum-Mitte-Position fallen, wollte den Angriff einleiten, der zur Entscheidung führen sollte. Als Drux einen Pass nach rechts zu Steffen Weinhold spielen wollte, spritzte der starke Dmitrii Zhitnikov dazwischen und fing den Ball ab. Zhitnikov lief alleine auf Deutschlands Torhüter Andreas Wolff zu und traf zum Ausgleich – genau 80 Sekunden vor dem Ende. Deutschland ging danach zwar noch einmal in Führung, konnte diese aber nicht über die Zeit retten.

Das Ergebnis: Deutschland und Russland trennten sich 22:22 (12:10). Hier geht’s zur Meldung.

Russische Weltklasse: Russland spielte bereits in der ersten Hälfte sehr gut mit. Vor allem Timur Dibirov überragte mit trickreichen Aktionen. Seine Balldreher raubten Wolff die Nerven. Oder um es mit Fabian Böhms Worten zu sagen: “Am Ende hatten wir drei, vier Situationen im Zeitspiel, wo der Linksaußen von Russland aus dem Nullwinkel mit Drehern super Tore macht”, sagte er. “Solche Weltklassespieler kannst du nur sehr, sehr schwer ausschalten.”

Uwe Gensheimer

FILIP SINGER/EPA-EFE/REX

Uwe Gensheimer

O Captain! My Captain: Auch weltklasse war auf der anderen Seite wieder einmal Uwe Gensheimer. Er ist die deutsche Konstante bei dieser Weltmeisterschaft. Alle zwölf Siebenmeter, zu denen er im bisherigen Turnierverlauf antrat, verwandelte der Kapitän. Gegen Russland schmetterte er die Bälle mal in einer für Kireev besorgniserregenden Geschwindigkeit in das Tor – und mal überlupfte er Kireevs verdutzten Ersatzmann Oleg Grams. Auf Gensheimer kann sich die deutsche Mannschaft unter Druck verlassen.

Unsicherer Sieger: In der zweiten Hälfte schien die deutsche Mannschaft bereits wie der sichere Sieger. Zwischenzeitlich hatte sie sogar vier Tore Vorsprung auf die Russen. Nach dem 16:12 durch Gensheimer in der 38. Minute mussten die deutschen Fans aber ganze acht Minuten auf den nächsten Treffer der DHB-Auswahl warten. Wieder traf Gensheimer, aber inzwischen hatte Russland aufgeholt. Im direkten Gegenzug erzielte Dmitrii Kiselev das 17:15. Regelmäßig scheiterte die deutsche Mannschaft am anderen “Weltklasse”-Russen an diesem Tag, Kireev. Insgesamt elfmal.

Elfmal scheiterten die Russen auf der anderen Seite aber auch an Wolff. Bei einer herausragenden Parade wehrte er einen Wurf von Vitaly Komogorov mit dem Fuß über seinem Kopf ab. Anatomisch nicht möglich, denken Sie? Bitteschön:

Keine Ausreden: Nach der Partie suchte Drux gar nicht lange nach Ausreden. “Wir schießen den einen zu früh, und dann mache ich so einen dummen Fehler”, sagte der 23-Jährige. “Es ist schon leider ein verlorener Punkt.” Allein an ihm lag es aber natürlich nicht, schließlich standen neben ihm auch noch sechs andere Spieler auf der Platte. Dazu war Drux vor dem verheerenden Fehlpass sehr gut im Spiel, eroberte in der Defensive viele Bälle und leitete dadurch wichtige Tore in der zweiten Welle ein. In einer Drucksituation unterlief ihm der entscheidende Fehler. Aber besser in der Gruppenphase als im fortgeschrittenen Turnierverlauf.

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